Feuerwehrmann oder Serviceleiter? Ein Tag in der Gebäudetechnik zeigt, wo es wirklich hakt
Serviceleiter Markus managt 23 Techniker, jongliert Störungen, Kündigungen und Margenprobleme – und zeigt damit exemplarisch, warum viele Gebäudetechnik-Unternehmen nicht ein Margen-, sondern ein Organisationsproblem haben.
Zwischen Frühschicht und Küchentisch: Warum der Servicealltag in der Gebäudetechnik mehr System braucht
06:47 Uhr. Markus sitzt im Auto. Nicht weil er zu spät dran wäre – sondern weil er vor den anderen im Büro sein will. Bevor die Telefone anfangen. Auf dem Beifahrersitz liegt sein Notizbuch. Darin stehen keine strategischen Ziele, sondern: Rückruf Immo-Verwaltung Leuthard. Boiler Schulhaus Muri. Lukas ansprechen wegen Pikett.
Markus ist Serviceleiter. Heizung, Lüftung, Kälte, Sanitär. 23 Techniker, verteilt über die halbe Deutschschweiz. Er kennt jeden von ihnen. Ihre Stärken. Ihre Macken.
Der Vormittag: Störungen, Umplanung, Troubleshooting
Schon um 07:15 Uhr warten zwei Störungsmeldungen über Nacht. Eine Lüftungsanlage in einem Pharmalabor steht – kritische Produktion, keine Redundanz. Der Pikettmonteur hat provisorisch gelöst, braucht aber Unterstützung. Markus organisiert den zweiten Mann, prüft Ersatzteile, ruft den Kunden persönlich an. Nicht weil er muss – sondern weil ein Anruf vom Chef beruhigt.
Parallel läuft die Tagesplanung: acht Wartungen, drei Reparaturen, ein Offerttermin. Einer seiner besten Leute hat sich krank gemeldet. Wer kann einspringen? Wer kennt die Anlage? Wer ist in der Nähe? Die Planung vom Freitag? Makulatur. Wie jede Woche.
Um 08:30 Uhr folgt das Teammeeting – zwölf Minuten. Markus wiederholt Dinge, die er hundertmal gesagt hat: Rapport sauber ausfüllen, Fotos machen, Arbeitszeit korrekt erfassen. Er weiss: Wenn er es nicht regelmässig wiederholt, schleifen die Standards ein. Nicht aus bösem Willen – einfach aus Alltag. Zwei nicken. Drei schauen aufs Handy.
Im Backoffice warten Offerten, die raus müssen. Im Abacus hängen drei Rechnungen. Markus weiss: Jeder Tag, den eine Rechnung zu spät rausgeht, kostet Liquidität. Aber er sitzt in den Offerten, weil niemand sonst die Anlage so kennt wie er. Er fragt sich, wann er endlich die Prozesse so aufsetzen kann, dass sein Backoffice das eigenständig hinbekommt.
Um 11:00 Uhr ist er unterwegs – nicht als Chef, sondern als Troubleshooter. Ein Lüftungsmonteur, Quereinsteiger, eigentlich Elektriker, kommt an einer Anlage nicht weiter. Markus zeigt es ihm. Vor Ort, Hände am Gerät. Er riecht, ob eine Anlage richtig läuft. Das kann man nicht in einem Kurs lernen.
Der Nachmittag: Kündigung, Kundentermin und die Margenfrage
Mittagessen am Schreibtisch. Markus wollte die Pikettplanung machen. Stattdessen: Kündigungsgespräch vorbereiten. Sein bester Sanitär-Techniker geht. Abgeworben. Mehr Lohn, weniger Pikett.
Er rechnet: drei Monate Einarbeitung, sechs bis produktiv, ein Jahr, bis der Kunde vertraut. Und die ganze Zeit trägt das Team die Last mit. Er denkt an das Gespräch mit seinem Geschäftsführer: «Wir müssen der beste Arbeitgeber der Region werden.» Schöne Worte. Aber was heisst das konkret? Markus hat Ideen. Was ihm fehlt: Zeit, sie umzusetzen.
Um 15:00 Uhr steht ein Kundentermin an. Begehung beim Grosskunden. Markus zeigt die Wartungsplanung auf dem Tablet – Ampelsystem: grün, gelb, rot. Der Facility Manager nickt anerkennend. Das hat er bei anderen nicht gesehen. Auf dem Rückweg denkt Markus: Dieses Reporting müsste er für alle Grosskunden aufbauen. Systematisch. Aber wann?
Um 17:30 Uhr beginnt die zweite Schicht im Büro. Rapporte trudeln ein. Drei sind sauber, einer ist ein Witz: «Wartung durchgeführt, alles i.O.» – das ist keine Dokumentation. Markus schreibt dem Monteur. Freundlich, aber bestimmt. Zum dritten Mal. Dann Pikettplanung. Wer kann Samstag? Wer hat schon drei Wochenenden in Folge? Ein Puzzle, das niemand sieht, der nicht in dieser Rolle steckt.
18:45 Uhr – Feierabend. Eigentlich. Der Geschäftsführer ruft an. Die Margen stimmen nicht. Markus atmet durch. Die Margen stimmen nicht, weil Offerten zu tief kalkuliert wurden, weil ein Techniker zwei Stunden aufs Ersatzteil wartete, weil die Pikettkosten explodiert sind. Das sind keine Margen-Probleme. Das sind Organisations-Probleme. Aber wie erklärt er das? Er kann es zeigen – in den Zahlen, in den Abläufen. Nur: Niemand fragt ihn danach. Sie fragen nach der Marge.
20:15 Uhr – Küchentisch. Notizbuch neben dem Teller. Morgen, 06:47 Uhr, gleiche Strasse, andere Störungen.
Er ist gut in dem, was er tut. Sein Team funktioniert, seine Kunden bleiben. Aber er weiss: Es könnte strukturierter laufen. Weniger Feuerwehr, mehr System. Nur sagt ihm das keiner. Und im Tagesgeschäft fehlt ihm schlicht die Zeit, diese Prozesse selbst neu aufzusetzen.
Genau hier setzt evotransform an: Gebäudetechnik-Unternehmen dabei zu helfen, den Service von der Dauer-Feuerwehr zu einer strukturierten, profitablen Einheit zu machen – aus der Praxis, für die Praxis.
